Final Countdown in Namibia

 Wir verlassen den Waterberg und fahren durch Middle of nowhere von Namibia, wo das Buschland niedrig und die Verdunstung hoch ist. In Otjiwarongo haben wir im Cafe Carstensen einen Bohnenkaffee und Apfelkuchen eingenommen und das Original-Interieur vom Gründungsjahr 1957 bewundert. An den Damen hinter der Theke scheint die Zeit jedoch nicht ganz spurlos vorbeigegangen zu sein (leider kein Bild).

 

Auf der Gästefarm Bambatsi (ist ein Büffelgras in Botswana, also kein  Batzi)) übernachten wir bei den Eheleuten Hälbich, die sich auf ihrem weitläufigen Anwesen sehr den Wildtieren und noch mehr den Gästen widmen. Der schöne Zeltplatz liegt mitten im Busch und dass wir mal wieder ganz alleine waren, hat uns sehr gefallen. Am Abend konnten wir am nahegelegenen Wasserloch aus dem Hochstand Duker, Warzenschweine und Schakale beobachten.

 

Die Felsklippen an den grandiosen Terrassen des Ugab-Rivers vermitteln wirklich einen tollen Western-Effekt. Es fehlen nur noch Cowboys und Indianer. Sergio Leone hätte hier seine Freude gehabt. Auf der C35 in Richtung Süden erreichen wir den Brandberg und umfahren ihn südlich immer weiter Richtung Westen.

Neben den wie immer fantastisch aussehenden Welwitschias präsentiert sich hier das Hochland am späten Nachmittag von seiner besten Natur- und Fotolicht-Seite.

 Wir erreichen erst nach Sonnenuntergang das rustikale Ugab Base Camp, das man ziemlich versteckt hinter vielen Biegungen des Ugab und den steilen Hängen des Gebirges erreicht.

Ein wundervoller Platz zum Nashorn schützen! Die Save the Rhino-Foundation hat sich das auch so gedacht und hier ihr Zentrum eingerichtet.

 

Hier mal DIE Original-Buschdusche!

Unterwegs finden wir sehr deutliche Gefahrenschilder..

Am nächsten Tag beenden wir mit dem Erreichen des Atlantischen Ozeans unsere Ost-West-Durchquerung, die uns von Tansania aus über 22 Breitengrade hierher geführt hat. Ein großartiger Moment, auch wenn wir dabei im tiefen Sand erst einmal stecken bleiben und Hilde laut schaufend im 4×4-Modus uns wieder auf den Salzpad bringt. Diese verrückten Angler aus Südafrika sind auch schon wieder da und trotzen in kurzen Hosen dem kalten Wind und Nebel.

Die Robbenkolonie bei Cape Cross hat uns dann fast umgehauen. Es war zunächst das herbe Bouquet in der Luft, was uns an die Mombacher Zeit nahe der Kläranlage erinnert hat, dann aber auch die unfassbar und unüberschaubar große Anzahl an Robben (für Zoologen: Ohren-Robben). Die Geräuschkulisse können wir für Interessierte gerne zu Hause nachstellen, werden es aber weder im Lärmpegel noch in der Nachahmung auf diese stimmungsvolle Chorleistung bringen. Sehr beeindruckend.

Wir verlassen am Nachmittag die Naturlandschaft des Meeres und erreichen mit Swakopmund wieder die deutsche Kulturlandschaft. Na ja.., halt was noch so davon übrig ist. Ein skuriles Sammelsurium an lustig bemalten alten und neuen Häusern, vielen Palmen und „Gaststätten“ findet man hier. Zwar am Meer, aber dennoch mitten in der Wüste, wurde diese Siedlung aus dem Boden gestampft – mit sehr breiten Salzpad-Straßen, damit die Ochsenkarren auch wenden können. Wir müssen unserem Reiseführer recht geben, dieses breit angelegte Straßenbild nimmt doch etwas von der Gemütlichkeit.

Aufgrund der kalten Nacht kehren wir trotz bombastischen (und völlig unerwarteten) Sonnenscheins Swakopmund den Rücken zu und reisen über den Welwitschia-Drive, ein Naturlehrpfad für die Wüstenfans, in Richtung Osten zur Gästefarm Wüstenquell. Wir durchqueren die Mondlandschaft des Swakops, wo uns ein Chamäleon mit seiner Anwesenheit überrascht…

 

..und besuchen die älteste Welwitschia mirabilis, die man auch als lebendes Fossil bezeichnet (Alter ca. 1500 Jahre).

 „Ich bin überzeugt, das Schönste und Herrlichste gesehen zu haben, was die Tropenländer Südafrikas darbieten können.“ (so F. M. J. Welwitsch, am 03. September 1859 bei der Entdeckung)

Auf der Fahrt über den „Geheimweg“ zur Gästefarm Wüstenquell erzwingt eine namibische Giraffe die Vorfahrt. Das haben wir genutzt, um mal nach rechts zu schauen.

Da der „Geheimweg“ gar nicht so geheim war, fuhren wir nichtsahnend an der Farm vorbei, durch eine Senke („Marc`s Schlucht“) und standen am Ende im stockdunklen Afrika ohne Weg und Orientierung da. Auch unser Drecksäckchen wusste keinen Rat mehr. Also übernachteten wir an Ort und Stelle – im Schatten eines hohen Granitberges. Am nächsten Tag entschieden wir uns zur Rückkehr über denselben Weg…und dieser klitzekleinen Senke.

Mit dieser Strecke haben wir den Off-Road-Stern 2. Grades erreicht und die Globetrottel sind wieder um eine Erfahrung reicher. Wir haben die Farm dann doch noch gefunden und haben zumindest einmal hallo gesagt, wir waren ja schließlich angemeldet.

Die Tage verrinnen wie der namibische Sand in den Fingern, und so sollen unsere letzten zwei Standorte nur noch kurz erwähnt werden. Das Matterhorn von Namibia, die 1.759 m hohe Spitzkoppe, hat uns nicht zuletzt wegen des schönen Campsites schwer beeindruckt.

 Hinter uns die Spitzkoppe..

Kamen uns dort schon die Granitkugeln überdimensional vor, wurden diese im Erongo-Gebirge auf der Farm Ameib noch übertroffen. Die Kugeln von Bull`s Party machen ihrem Namen alle Ehre.

 Am letzten Abend überrascht uns Namibia mit einem unerwartet kalten Regenguss, dem wir aber unter einem Gaspilz sitzend bei einem üppigen Buffet mit Oryx, Warthog, Wildleber und anderen Leckereien trotzen.

Die letzen 250 Kilometer vergehen wie im Flug und nach 100 Tagen geben wir Hilde schweren Herzens nur ungern an die Eltern der Caprivi-Autovermietung zurück. Dort ist man über die Bilanz von 17.000 Kilometern ohne Plattfuß, Glas- und Blechschäden sichtlich beeindruckt. Tja,.. waren halt auch Profis am Werk 🙂

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Eine Antwort zu Final Countdown in Namibia

  1. Heidiiii schreibt:

    17.000 km,….
    Respekt!!!
    Ich hoffe ihr behaltet euch ganz viele schöne Eindrücke und bringt ein Stück Afrika (vielleicht nichz unbedingt die afrikanische Härte) mit zurück nach Deutschland.
    Haste mir auch was eingepackt??? Ein Steinchen oder so???
    Ich freu mich dich bald wieder live zu sehen und wünsche eine unkomplizierte Rückreise….
    Bis bald, Capitän,… die Besatzung wird dich gebührend empfangen :o)

    Liebe Grüße
    Heike

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